Kurz beantwortet
Eine Friedhofssoftware sollte zur Größe und Struktur des Friedhofsträgers passen, alle Kernaufgaben von der Grabverwaltung bis zum Gebührenbescheid abdecken und sich an vorhandene Systeme wie Finanzbuchhaltung und Dokumentenmanagement anbinden lassen. Entscheidend sind außerdem das Betriebsmodell (installiert oder im Browser), der Datenschutz, ein digitaler Friedhofsplan, die Übernahme der Altdaten sowie ein nachvollziehbares Preismodell. Die Checkliste am Ende fasst alle Kriterien zusammen.
Wann sich der Wechsel der Friedhofssoftware lohnt
Viele Friedhofsverwaltungen arbeiten noch mit Karteikarten, Excel-Listen oder älteren, lokal installierten Programmen. Ein Wechsel lohnt sich vor allem, wenn:
- der Hersteller das bisherige Verfahren nicht mehr weiterentwickelt oder abkündigt,
- Daten an mehreren Stellen gepflegt werden müssen, etwa Grabkartei, Lageplan und Buchhaltung,
- Mitarbeitende auf dem Friedhof keinen Zugriff auf aktuelle Grabdaten haben,
- Bürgerinnen, Bürger und Bestatter mehr Online-Angebote erwarten, zum Beispiel eine Grabsuche,
- die Gebührenkalkulation oder die Bescheiderstellung viel Handarbeit kostet.
1. Betriebsmodell: installiert oder im Browser
Friedhofssoftware gibt es als lokal installiertes Programm und als webbasierte Anwendung (Software as a Service/SaaS). Bei einer webbasierten Lösung übernimmt der Hersteller Betrieb, Datensicherung und Updates. Die Verwaltung braucht nur einen aktuellen Browser. Bei installierter Software liegen Server, Backups und Updates in der Verantwortung der eigenen IT.
Wichtige Fragen an den Anbieter:
- Wo werden die Daten gespeichert? Ein Rechenzentrum in Deutschland erleichtert die Datenschutzbewertung.
- Wird ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV) nach DSGVO angeboten?
- Welche Vertragsformen sind möglich? Für öffentliche Auftraggeber sind die EVB-IT-Vertragsmuster verbreitet, für Cloud-Leistungen die EVB-IT Cloud.
- Wie werden Zugänge geschützt, zum Beispiel durch Zwei-Faktor-Anmeldung?
Beispiel HADESX: HADESX ist webbasiert, vom TÜV Rheinland i‑sec geprüft und wird in einem ISO-zertifizierten Rechenzentrum von Hetzner in Falkenstein (Deutschland) betrieben. Ein AVV wird bereitgestellt, als Vertragsmodelle sind ASP oder EVB-IT Cloud möglich. Alle Eckdaten stehen auf der Seite Fakten zu HADESX.
2. Funktionsumfang für den Verwaltungsalltag
Die Kernaufgaben einer Friedhofsverwaltung sind bei allen Trägern ähnlich. Eine Friedhofssoftware sollte mindestens diese Bereiche abdecken:
- Grabverwaltung: Grabstätten, Nutzungsrechte, Verstorbene, Ruhezeiten und Fristen
- Gebühren und Bescheide: Gebührenkatalog nach eigener Satzung, Bescheide, Rechnungen, Sollstellungen
- Termine: Bestattungen, Trauerfeiern und Arbeitsaufträge
- Dokumente: Vorlagen im eigenen Erscheinungsbild und Archivierung des Schriftverkehrs
- Auswertungen: Belegung, freie Flächen, Fälligkeiten und Statistiken
Je nach Träger kommen weitere Module hinzu, etwa Grabpflege und Dauergrabpflege, Legate und Stiftungen, Friedhofsunterhaltungsgebühren, Baumkataster oder die Dokumentation der Standsicherheitsprüfung von Grabmalen. Sinnvoll ist ein modularer Aufbau: Die Verwaltung bucht nur, was sie braucht, und kann später erweitern.
3. Mobile Nutzung auf dem Friedhof
Viele Arbeiten finden direkt auf dem Friedhof statt: Grabkontrollen, Auskünfte an Angehörige oder die Erfassung von Mängeln. Prüfen Sie, ob die Software auf Tablet und Smartphone nutzbar ist und ob unterwegs erfasste Daten, etwa Fotos oder Mängel, sofort in der Verwaltung ankommen.
4. Digitaler Friedhofsplan und GIS
Ein digitaler Friedhofsplan zeigt Grabstätten, Wege und Flächen georeferenziert und verbindet sie mit den Verwaltungsdaten. Er hilft bei der Belegungsplanung, bei Auskünften und bei der Planung von Pflegearbeiten. Wichtige Kriterien:
- Ist der Plan in die Verwaltungssoftware integriert oder ein separates GIS-Programm?
- Können vorhandene Pläne übernommen werden, zum Beispiel als Shape-Dateien?
- Lassen sich Luftbilder oder WMS-Dienste als Hintergrund einbinden?
- Ist die Bedienung ohne CAD- oder GIS-Kenntnisse möglich?
5. Online-Angebote für Bürger und Bestatter
Immer mehr Friedhofsträger bieten digitale Dienste an: eine Grabsuche auf der eigenen Website, eine Navigation zum Grab auf dem Smartphone oder Online-Terminanfragen für Bestatter. Achten Sie darauf, dass nur datenschutzrechtlich zulässige Informationen öffentlich sichtbar sind und dass sich Rechte je nach Nutzergruppe steuern lassen.
Beispiel HADESX: Der digitale Friedhofsplan lässt sich mit aktuellen Daten in die Website des Trägers einbinden. Bestatter stimmen Termine über einen eigenen Zugang im Bestatterkalender ab.
6. Schnittstellen zu Buchhaltung und Dokumentenmanagement
Gebührenbescheide müssen in die Finanzbuchhaltung übernommen werden. Fragen Sie, zu welchen Verfahren es fertige Schnittstellen gibt, zum Beispiel DATEV, INFOMA, SAP oder H&H, und ob diese Schnittstellen im Preis enthalten sind. Ebenso wichtig sind die Anbindung an ein Dokumentenmanagementsystem, etwa über den CMIS-Standard, und Exporte für eigene Auswertungen.
7. Datenübernahme und Einführung
Der Wechsel steht und fällt mit der Übernahme der Altdaten. Klären Sie vor der Entscheidung:
- Übernimmt der Anbieter die Daten aus dem bisherigen Verfahren, auch von anderen Herstellern?
- Wie lange dauert die Einführung typischerweise?
- Werden Formularvorlagen und Gebührenkatalog vorab eingerichtet?
- Welche Schulungen gibt es, vor Ort und online?
- Wie ist der Support erreichbar: telefonisch, per E‑Mail, per Fernwartung? Zu welchen Zeiten?
Beispiel HADESX: Den Zieltermin plant HADES Software mit einer Vorlaufzeit von aktuell etwa zwei bis drei Monaten. Daten aus HADES, myHADES und FRIEDA sowie aus Verfahren anderer Anbieter wie WinFried, FIM, jPAX, elFRIED oder proSIRIS werden übernommen, auf Wunsch mit einer Vorab-Konvertierung. Die Einführungsschulung findet online statt und dauert drei bis sechs Stunden.
8. Kosten und Preismodell
Die Preise für Friedhofssoftware hängen stark von Größe und Umfang ab. Übliche Preisfaktoren sind:
- die Zahl der verwalteten Grabstätten oder Friedhöfe,
- die Zahl der Nutzer beziehungsweise Arbeitsplätze,
- zusätzlich gebuchte Module, zum Beispiel Friedhofsplan, Online-Dienste oder Schnittstellen,
- einmalige Kosten für Einrichtung, Datenübernahme und Schulung.
Vergleichen Sie Angebote über mehrere Jahre und fragen Sie, welche Leistungen in der laufenden Gebühr enthalten sind, zum Beispiel Updates, Support und Datensicherung.
Beispiel HADESX: Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Grabstätten, dazu kommt eine Gebühr je namentlichem Nutzer. Der Basispreis beginnt bei 49,95 Euro netto pro Monat. Es gibt Basis‑, Gast- und Mobile-User.
9. Checkliste zur Auswahl einer Friedhofssoftware
Haken Sie ab, welche Kriterien ein Anbieter erfüllt.
0 von 14 erfüllt
Häufige Fragen
Was ist eine Friedhofssoftware?
Eine Friedhofssoftware ist ein Fachverfahren, mit dem kommunale und kirchliche Friedhofsträger ihre Friedhöfe verwalten. Sie bildet Grabstätten, Nutzungsrechte, Bestattungen, Gebühren und Termine digital ab. Viele Lösungen enthalten zusätzlich einen digitalen Friedhofsplan, Schnittstellen zur Finanzbuchhaltung sowie Online-Angebote für Bürger und Bestatter.
Ist eine webbasierte Friedhofssoftware datenschutzkonform?
Wie lange dauert die Umstellung auf eine neue Friedhofssoftware?
Was kostet eine Friedhofssoftware?
Braucht eine kleine Gemeinde eine Friedhofssoftware?
Über den Autor: Dieser Ratgeber wurde von Christian Hintze, Geschäftsführer der HADES Software GmbH aus Rheine, erstellt. Christian Hintze berät Kunden seit 2010 bei der Auswahl der geeigneten Friedhofsverwaltungssoftware und ist Spezialist für Gebührenkalkulationen.
